Arbeitsmarkt

DER ARBEITSMARKT IM JUNI 2020 – MASSIVER EINSATZ VON KURZARBEIT STABILISIERT 
 
Das reale Bruttoinlandsprodukt dürfte im zweiten Quartal 2020 deutlich eingebrochen sein. Allerdings könnte die deutsche Wirtschaft den Tiefpunkt der Rezession mittlerweile schon überwunden haben. Bei den Vorlaufindikatoren deutete sich bereits im letzten Monat eine Erholung an, die sich in diesem Monat fortsetzte. Vom Vorkrisenniveau sind die Werte dennoch weit entfernt. Der Arbeitsmarkt steht durch die Corona-Krise weiter unter Druck. Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahmen saisonbereinigt deutlich ab. Die gemeldete Nachfrage nach neuen Mitarbeitern blieb im Juni sehr schwach, hat sich aber auf niedrigem Niveau gefangen. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) sind im Juni erneut deutlich gestiegen. Die saisonbereinigten Zuwächse fallen aber weit weniger stark aus als im Mai und April. Dabei wirkt der massive Einsatz von Kurzarbeit stabilisierend und verhindert eine stärkere Erhöhung. Auch im Vergleich zum Vorjahr nehmen Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung zu, in der Arbeitslosenversicherung deutlich mehr als in der Grundsicherung. Die Anstiege bei der Arbeitslosigkeit sind größer als bei der Unterbeschäftigung, weil aufgrund der Kontaktbeschränkungen der Einsatz von Arbeitsmarktpolitik deutlich zurückgegangen ist. 
 
SOZIALE SICHERUNG BEI ARBEITSLOSIGKEIT 
In Folge der Corona-Krise ist die Zahl der Arbeitslosengeldempfänger und Bezieher von Arbeitslosengeld II deutlich gestiegen. Nach vorläufiger Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit gab es im Juni 5.036.000 Menschen, die Lohnersatzleistungen nach dem SGB III (Arbeitslosengeld bei Arbeitslosigkeit) oder Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts für Arbeitsuchende nach dem SGB II (Arbeitslosengeld II) erhalten haben. Im Vergleich zum Juni 2019 waren das 488.000 mehr. Arbeitslosengeld haben im Juni 1.077.000 Menschen erhalten. Gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres waren das 383.000 mehr. Arbeitslosengeld II haben nach aktueller Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit 4.076.000 Menschen erhalten, im Vergleich zum Vorjahr 152.000 mehr. Damit werden in beiden Systemen die Vorjahreswerte merklich überschritten 
 
AUSBILDUNGSMARKT 
Von Oktober 2019 bis Juni 2020 zeigten sich bei den gemeldeten Ausbildungsstellen und bei den gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern gleichermaßen spürbare Rückgänge, wobei sich die rechnerischen Chancen auf eine Ausbildungsstelle gegenüber dem Vorjahr aber kaum verändert haben. Nach wie vor übersteigt die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen die der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber. Die Corona-Pandemie hat den Ausgleich auf dem Ausbildungsmarkt deutlich verlangsamt. Seit Mai nehmen die Prozesse aber zunehmend an Fahrt auf. Im Juni 2020 erreichen die Stellenmeldungen wieder den in einem Juni üblichen Umfang, die Bewerbermeldungen liegen noch etwas darunter – jeweils gemessen an der Entwicklung des Vorjahres. Insgesamt verbleibt bis Juni 2020 eine Verzögerung von 6 bis 8 Wochen im Vergleich zum letzten Jahr. Bei den gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen ist bis Juni 2020 ein Minus von rund 17.000 auf Corona zurückzuführen, während es bei den gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern rund -16.000 sind.  
 
EINSATZ DER ARBEITSMARKTPOLITISCHEN INSTRUMENTE 
Infolge der Kontaktbeschränkungen aufgrund der Corona-Krise konnten seit April erheblich weniger arbeitsmarktpolitische Maßnahmen begonnen werden. Im Juni 2020 haben nach vorläufigen Daten 738.000 Personen an einer vom Bund oder der Bundesagentur für Arbeit geförderten arbeitsmarktpolitischen Maßnahme teilgenommen. Das waren 17 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Förderung durch Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik lag (bezogen auf die Summe der aktivierbaren Personen) mit 16,0 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres (-7,3 Prozentpunkte). 392.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung gefördert, 346.000 Personen haben an Maßnahmen teilgenommen, die aus Mitteln der Grundsicherung für Arbeitsuchende finanziert wurden. 

Quelle: Monatsbericht Juni 2020 - Bundesagentur für Arbeit